ZANA DJUKIC

Diplomarbeit (2011): Resilienz bei Angehörigen von Palliativpatienten. Diplomarbeit, LMU München: Psychologische Fakultät

Der (bevorstehende) Tod einer geliebten Person gehört zu den belastendsten Erfahrungen, die das Leben im Laufe der Zeit mit sich bringen kann. In dieser schwierigen Zeit sind Angehörige eines schwerkranken Patienten einer Vielzahl von Belastungen ausgesetzt und werden mit dieser schweren Last häufig alleine gelassen. Dies liegt sicherlich auch daran, weil es heutzutage kaum Unterstützungsangebote für Angehörige gibt. Aus diesem Grund hat die Arbeitsgruppe Lebenssinn am Interdisziplinären Zentrum für Palliativmedizin (IZP) des Klinikums Großhadern ein Unterstützungsangebot für Angehörige Schwerstkranker entwickelt. Die Gruppenintervention ist mit dem Ziel konzipiert worden das Wohlbefinden der Angehörigen zu verbessern, Symptome zu lindern und den Angehörigen Methoden beizubringen, wie sie mit der Belastung effektiv umgehen können. Dadurch soll auch die Lebensqualität der Angehörigen verbessert werden.

MenschenreagierenaufStresserzeugendeLebensumstände interindividuell unterschiedlich. Während einige kritische Lebensumstände leicht überwinden können, sind andere unter vergleichbaren Bedingungen anfällig eine psychische Störung zu entwickeln und Verhaltensauffälligkeiten zu zeigen. Eine Frage, die sich unmittelbar in diesem Zusammenhang stellen muss ist: Was ist anders bei den Menschen, die Widrigkeiten überwinden können? Eine Antwort auf diese Frage gibt das Phänomen Resilienz. Resiliente Individuen haben Untersuchungen zufolge drei Bündel von Schutzfaktoren, nämlich Schutzfaktoren des Individuums, der Familie und der Umwelt, die den Umgang mit widrigen Lebensumständen erleichtern. Nach dem heutigen Stand der Resilienzforschung reicht es nicht nur die einzelnen protektiven Faktoren zu kennen, sondern entscheidend für die Entwicklung der Resilienz ist die Interaktion zwischen Risikofaktoren, Schutzfaktoren und Resilienzfaktoren. Das Hauptanliegen dieser Arbeit war es zu untersuchen, welche Faktoren zur ResilienzentstehungbeiAngehörigenbeitragenundobsich geschlechtsspezifische Unterschiede in der Resilienz und Copingverhalten zeigen.

Die Probanden für die Studie wurden direkt auf den Palliativstationen rekrutiert. An der Gruppenintervention für Angehörige haben insgesamt 164 Probanden teilgenommen, die zu fünf Messzeitpunkten Fragebögen ausfüllen müssten. Eine unbehandelte Gruppe füllte parallel zu der Gruppenintervention die Fragebögen aus. Die Resilienz von Angehörigen wurde mit der Kurzform der Resilienzskala (RS-11) erhoben. Die Prädiktoren von Resilienz bei Angehörigen von Palliativpatienten wurden mit den Regressionsanalysen berechnet. Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Resilienz und Copingverhalten wurden mit den t-Tests auf Signifikanz überprüft.

Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zeigten, dass soziale Unterstützung, Benefit Finding und positive Emotionen signifikante Prädiktoren von Resilienz bei Angehörigen von Palliativpatienten sind. Es zeigte sich des Weiteren, dass männliche Angehörige etwas resilienter sind als weibliche Angehörige. Diese dagegen wurden signifikant mehr sozial unterstützt als männliche Angehörige. Die Ergebnisse implizieren insgesamt, dass Männer und Frauen unterschiedliche Bewältigungsstrategien im Trauerprozess aufweisen und sich diese unterschiedlich protektiv bei dem jeweiligen Geschlecht gegenüber belastende Lebensereignisse auswirken. Geschlechtsspezifische interne und externe protektive Faktoren sollten identifiziert und Fragebögen entwickelt werden, die Resilienz im Ganzen erfassen. Eine Nachuntersuchung der Ergebnisse ist erforderlich, da die Daten querschnittlich berechnet wurden und daher keine Rückschlüsse auf Kausalbeziehungen zulassen.

Zusammenfassung: entnommen aus o.g. Diplomarbeit.