DR. MECHTILD BÜTTNER (GEB. KRAMER)

Dissertation (2009): Schedule for Meaning in Life Evaluation (SMiLE): Validierung eines neuen Messinstruments zur Erfassung von Lebenssinn

Im Rahmen der wissenschaftlichen Forschung innerhalb der Palliativmedizin erlangte die Dimension Lebenssinn in den letzten Jahren immer größere Bedeutung. Das Gefühl der Sinnlosigkeit des Lebens stellt für schwerstkranke Patienten eine der stärksten Determinanten für den Wunsch nach aktiver Sterbehilfe dar.

Um Lebenssinn speziell bei Palliativpatienten messbar zu machen, wird ein Instrument benötigt, das dieser besonderen Situation entsprechend angepasst ist, d.h. ein aussagekräftiger Fragebogen, der kurz und einfach in der Durchführung ist und ggf. mit Hilfe des Untersuchers auch verbal von dem Patienten bearbeitet werden kann. Zudem sollte Lebenssinn als höchst individuelles Konstrukt auch individuell messbar sein. Bisher existierende Messinstrumente erweisen sich durch ihre meist hohe Itemanzahl als zu lang und daher zu belastend für Palliativpatienten. Außerdem geben die meisten dieser Instrumente feste Sinnkategorien vor und erfassen somit Lebenssinn nicht individuell.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit war es, in Anlehnung an ein etabliertes Messinstrument zur Erfassung individueller Lebensqualität ein neues Instrument zur Messung von individuellem Lebenssinn bei Palliativpatienten zu entwickeln und dieses gemäß aktueller Leitlinien zu validieren.

Der Schedule for Meaning in Life Evaluation (SMiLE) ist ein neu entwickeltes Messinstrument zur Erfassung von individuellem Lebenssinn, das in Anlehnung an den SEIQoL-DW (Schedule for the Evaluation of Individual Quality of Life – Direct Weighting) konstruiert wurde. Im SMiLE wird der Proband zunächst aufgefordert, drei bis sieben Bereiche zu nennen, die seinem momentanen Leben Sinn geben. Anschließend werden die einzelnen Bereiche hinsichtlich ihrer Wichtigkeit und Zufriedenheit eingestuft, woraus der Wichtigkeitsindex (Index of Weighting, IoW, 20- 100), der Zufriedenheitsindex (Index of Satisfaction, IoS, 0-100) sowie als Gesamtindex der Index of Weighted Satisfaction (IoWS, 0-100) berechnet werden. Insgesamt nahmen 599 Studenten der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), München, und dem Royal College of Surgeons in Ireland (RCSI), Dublin, an der Unter- suchung teil (Antwortquote: 95,4%).

Die Durchschnittswerte für IoW, IoS und IoWS betrugen 85,7±9,4, 76,7±14,3 bzw. 77,7±14,2. Die Bearbeitungszeit betrug im Mittel 8,2±3,0 Minuten. Die Studenten bewerteten den SMiLE anhand von Numerischen Rating-Skalen (NRS, 0-10) als weder belastend (1,3±1,9) noch zeitaufwändig (1,9±1,9). Die Retest-Reliabilität des IoWS betrug r=.72 (p<.001). 85,6% der zum ersten Messzeitpunkt genannten Bereiche wurden ebenfalls zum zweiten Messzeitpunkt (Zeitintervall: 1 Woche) genannt. Hinsichtlich der Konstruktvalidität konnte ein Zusammenhang zwischen dem SMiLE und den Instrumenten Purpose in Life Test (r=.48, p<.001), Self- Transcendence Scale (r=.34, p<.001) sowie einer Frage zur globalen Zufriedenheit mit dem Lebenssinn (MiL_NRS, r=.53, p<.001) im Sinne der konvergenten Validität gezeigt werden. Zwischen dem SMiLE und Idler Index of Religiosity stellte sich erwartungsgemäß eine Unabhängigkeit im Sinne der diskriminanten Validität dar.

Der SMiLE ist ein objektives, reliables und valides Instrument zur Messung von individuellem Lebenssinn. Im Vergleich zu bisherigen Messinstrumenten zeichnet sich SMiLE durch seine Kürze und Einfachheit in der Durchführung aus. Durch die offene Nennung von Sinnbereichen und die Einstufung hinsichtlich deren Wichtigkeit und Zufriedenheit erfasst SMiLE Lebenssinn individuell.

In weiteren Studien soll der SMiLE bei Palliativpatienten angewendet und die Vermutung belegt werden, dass er sowohl ein hilfreiches Instrument zur Informationsgewinnung für das Palliativteam ist, als auch die Krankheitsbewältigung der Patienten durch Ressourcenaktivierung verbessern kann.

Zusammenfassung entnommen aus: http://edoc.ub.uni-muenchen.de/10295/2/Kramer_Mechtild.pdf