DIPL.-PSYCH. CHRISTINE SPÄTH

Diplomarbeit (2010): Persönliche Wertorientierung bei Angehörigen von Palliativpatienten

Grundsätzlich wird das Interventionsangebot von den Teilnehmern positiv beurteilt. Es tut den meisten gut, in einer Gruppe zu sein, sich auszutauschen und verstanden zu fühlen. Außerdem fällt es vielen leichter, ihre Trauer im Kreis ebenfalls Betroffener zu äußern. Die Arbeit mit den persönlichen Werten kann Anregung zur Veränderung geben. Verdrängte Gedanken, verfestigte Strukturen und unterdrückte Gefühle in Bezug auf die Vergangenheit und auf die momentane Situation können angenommen, bearbeitet und der Blick in die Zukunft gerichtet werden. Sich sichtbar auf ein neues Ziel zu bewegen, den dabei entstehenden Gefühlen nachspüren sowie den Mut aufzubringen, sich auf etwas Neues einzulassen, erlebten viele Gruppenteilnehmer als positive Erfahrung. Dennoch zeigen sich keine signifikanten Effekte und es stellt sich die Frage, ob die Arbeit mit Werten erst langfristig Ergebnisse zeigt.

Es ist zu überlegen, ob das Interventionsprogramm und speziell die Arbeit mit den Werten nicht zu einem früheren Zeitpunkt beginnen sollte – also bereits während der oft umfangreichen Pflege. Andere empirische Untersuchungen unterstreichen, dass Interventionen für Angehörige schon möglichst bei Krankheitsbeginn starten sollten (Northouse et al., 2000).

Vor allem während der Pflege und Betreuung des Patienten treten Umstände auf, die sehr belastend für die Angehörigen sein können und in denen Unterstützung bei der Bearbeitung sehr hilfreich und entlastend sein können. Die Anregung, die eigenen Bedürfnisse wieder in den Vordergrund zu rücken und sich mehr Zeit für sich selbst und andere Beziehungen zu gönnen, sind meiner Meinung nach einer der Hauptpunkte der Angehörigenunterstützung. Die Arbeit mit den persönlichen Werten könnte dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

Quelle: entnommen aus o.g. Diplomarbeit.