DIPL.-PSYCH. BERNADETTE RAISCHL

Diplomarbeit (2010): Bedürfnisse und Themen der Angehörigen von Palliativpatienten. Eine qualitative Studie

In der Fülle verschiedenster Aussagen der einzelnen Befragten, ließen sich zwar verschiedene Themen herauskristallisieren, die ich in Form der oben genannten acht Kategorien gegliedert habe, jedoch wurden diese in ihrer Qualität, den Relevanzsetzungen, der individuellen Ausgestaltung, der enthaltenen Aspekten und ihres momentanen Stellenwertes zum Interviewzeitpunkt sehr unterschiedlich erlebt und benannt. Das Ineinandergreifen der unterschiedlichen Themen, aber auch die Veränderung der Themen und ihrer Ausgestaltung und Wichtigkeit, wird beeinflusst durch die Beziehung, in der diese aktuell sind. Außerdem bleibt die Interaktion zweier Personen in einem System nicht ohne Wirkung auf das übrige System, wie es Rechenberg-Winter und Fischinger in dem Bild des Systems als Mobile im Wind beschrieben haben. Angesichts dieser Komplexität der Wechselwirkung von Personen betreffende Themen, Bedürfnisse, Beziehungen, und Personen entstand im Prozess der Auswertung ein Arbeitsmodell, das aus vier konzentrischen Kreisen besteht, die jeweils einzeln variabel drehbar sind.

Im innersten Kreis ist das soziale Netzwerk der Beziehungen des Angehörigen eingezeichnet, in dessen Zentrum sich der befragte Angehörige befindet. Hauptbezugspunkte des Angehörigen stellen die Patientin dar, die Fachkräfte, sprich Pflegekräfte, Ärztinnen, Sozialarbeiter, Psychologinnen, Seelsorger, Therapeutinnen und Hospizhelfer, die Familie, Freunde und weitere im System als wichtig erachtete Personen, wie beispielsweise der Arbeitgeber und die Arbeitskolleginnen oder Lehrer von betroffenen Kindern.

Im zweiten konzentrischen Kreis sind die Beziehungs-Modifikatoren Rolle und Funktion sowie Nähe und Distanz (vgl. Rechenberg-Winter, Fischinger 2006) angetragen.

Der dritte Kreis beinhaltet die verschiedenen Bedürfnisarten, die Dame Cicely Saunders in den Grundsätzen der Palliative Care Versorgung formulierte, als da wären physische, psychische, soziale und spirituelle Bedürfnisse.

Den äußersten konzentrischen Kreis bilden schließlich die acht Themen: Umgehen mit sich selbst, Umgehen mit anderen, Kommunizieren, Abschiednehmen, Zukunft, Biographie und Gewohntes, Raum und Intimität, Zeit und Dauer. Die Ausgestaltung der Themen und die Schwerpunktsetzung innerhalb dieser Themen verändern sich entsprechend der sie beschäftigenden Personen, der in Beziehung stehenden Personen, deren Beziehungsqualität und dem gesamten situativen Lebenskontext.

QUELLE

Entnommen aus o.g. Diplomarbeit.